Ergonomie

In der Arbeitswissenschaft, aber ebenso der Ergonomie, unterscheidet man im Wesentlichen drei Formen der Arbeitsgestaltung:

Unter korrektiver Arbeitsgestaltung versteht man die nachträgliche Verbesserung und Anpassung von schon realisierten Arbeitssystemen an in der Planung unberücksichtigt gebliebene oder nicht vorhersehbare Erfordernisse bzw. an Anforderungen, die sich nachträglich verändert haben. So stellt etwa Ulich fest: „Es entspricht einer weit verbreiteten Erfahrung, dass Arbeitssysteme und Arbeitsabläufe nach ihrer Einführung in den Betrieben adaptiert bzw. verändert werden müssen, damit sie nicht im Widerspruch zu arbeitswissenschaftlich gesicherten Erkenntnissen stehen. Häufig betreffen die erforderlichen Korrekturen Zustände, die sich aus der mangelnden Berücksichtigung anthropometrischer oder ergonomischer Anforderungen ergeben.

Derartige korrektive Arbeitsgestaltung wird immer dann erforderlich, wenn ergonomische, physiologische, psychologische, sicherheitstechnische oder rechtliche Anforderungen von Planern, Konstrukteuren, Anlagenherstellern, Softwareentwicklern, Organisatoren und anderen ,zuständigen Instanzen‘ nicht oder nicht angemessen berücksichtigt worden sind.
Korrektive Arbeitsgestaltung verursacht erhebliche Investitionskosten oder wenn diese Korrekturen unterlassen werden, gesundheitliche Beschwerden oder Schädigungen bei den Betroffenen. Diese negativen Auswirkungen können verhindert werden, wenn korrektive Arbeitsgestaltung gar nicht erforderlich wird, sondern all diese Anforderungen schon bei der Planung der Arbeitssysteme in entsprechender Weise berücksichtigt werden. Man spricht in diesem Fall von präventiver Arbeitsgestaltung.

Präventive Arbeitsgestaltung meint die Berücksichtigung arbeitswissenschaftlicher Konzepte und Regeln bereits im Stadium des Entwurfs von Arbeitssystemen und Arbeitsabläufen, bedeutet also gedankliche Vorwegnahme möglicher Schädigungen der Gesundheit oder Beeinträchtigung des Wohlbefindens spätestens zu dem Zeitpunkt, zu dem die Funktionsteilung zwischen Mensch und Maschine festgelegt wird.

Um auch dem dritten Zielaspekt arbeitswissenschaftlicher und damit auch ergonomischer Arbeitsgestaltung, der Persönlichkeitsförderlichkeit, gerecht zu werden, genügt dies jedoch noch nicht. Dafür ist es erforderlich, Arbeitsgestaltung in prospektiver Weise zu betreiben.
Die Forderung nach Schaffung persönlichkeitsförderlicher Arbeitstätigkeit verlangt darüber hinaus eine Strategie, die wir als prospektive Arbeitsgestaltung bezeichnen. Prospektive Arbeitsgestaltung meint das bewusste Schaffen von Möglichkeiten der Persönlichkeitsentwicklung im Stadium der Planung bzw. des Entwurfs - oder: der Neustrukturierung - von Arbeitssystemen durch Erzeugung objektiver Handlungs- und Gestaltungsspielräume, die von den Beschäftigten in unterschiedlicher Weise genutzt - und nach Möglichkeit auch erweitert - werden können.

Die Wichtigkeit von Handlungsspielräumen unterstreichen auch die Untersuchungen von ­Karasek (siehe Abb.) und dies nicht nur in ihrer ­direkten Bedeutung für die persönliche Entwicklung der arbeitenden Menschen, sondern auch hinsichtlich der Vermeidung von gesundheitlichen Beeinträchtigungen und Schädigungen. So stellt der Mangel an persönlichem Handlungsspielraum eine erhebliche psychische Belastung dar, welche beim Menschen weitreichende negative Beanspruchungswirkungen zur Folge hat. Die Schaffung von persönlichen Handlungsspielräumen stellt also auch eine unabdingbare Forderung im Rahmen einer präventiven Arbeitsgestaltung dar.

Wenn es gelingt, Arbeit und die Bedingungen, unter denen diese ausgeführt wird, so zu gestalten, dass sie den menschlichen Anforderungen gerecht ist, so sollte der arbeitende Mensch diese ein Berufsleben lang, ohne nennenswerten Schaden zu erleiden, ausführen können und seine persönliche Entwicklung in positiver Weise beeinflusst, ja gefördert werden.
Um in diesem Sinne den recht hohen Anforderungen an die Arbeitsgestalter gerecht zu werden, sollen die wichtigsten Gesetze und Verordnungen auf dem Gebiet des ArbeitnehmerInnenschutzes durchgesehen werden, ob diese eine Grundlage für die Erfüllung eines derartigen Anspruchs darstellen.
Es sei an dieser Stelle aber schon darauf hingewiesen, dass es nicht ausreicht, die gesetzlichen Vorschriften dem Buchstaben gemäß umzusetzen. Es ist vielmehr erforderlich, den Akteuren auf diesem Gebiet eine profunde Ausbildung angedeihen zu lassen, sodass diese, unter Einbeziehung ihrer Sachkenntnis über die entsprechenden Arbeitsaufgaben, vernünftige Analyse- und Gestaltungsansätze entwickeln können.

Newsletter abonnieren

Melden Sie sich an und seien Sie immer am Laufenden

Vielen Dank für die Anmeldung zu unserem Newsletter!